
Rüsselsheimer Stadtwerke beschäftigen sich mit ökologischer Straßenbeleuchtung
Rüsselsheim, 30.01.2012. Was haben der Sternenhimmel und die Fledermäuse mit Lampen und Leuchten auf der Erde zu tun? Dieser Frage gingen die Stadtwerke Rüsselsheim bei einer Expertenrunde zum Thema „Ökologische Straßenbeleuchtung“ nach. Mehr als fünfzig Besucher folgten der Einladung in die Rotunde des Rüsselsheimer Rathauses, um sich in vier Vorträgen das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln nahebringen zu lassen. Eine kleine Ausstellung, in der sich acht Unternehmen präsentierten, begleiteten die Veranstaltung. Zwei Firmenvertreter waren gar eigens aus Taiwan angereist. 2009 haben die Stadtwerke begonnen, nach einem gemeinsam mit der Stadt entwickelten Masterplan die Rüsselsheimer Straßenbeleuchtung zu modernisieren. Dazu haben die Stadtwerke einen zehnjährigen Kooperationsvertrag mit der Berliner Alliander Stadtlicht GmbH geschlossen.
Durch den Einsatz moderner Leuchtmittel ist der Stromverbrauch seither um 17,85 Prozent reduziert worden, wie Matthias Schweitzer (Stadtwerke-Bereichsleiter Technik und Netze) berichtete. Und dies, obwohl wegen eines Neubaugebiets nun sogar 122 Leuchten mehr im Einsatz sind.
Die Stadt profitiert davon, dass die Stadtwerke Energie sparender und effizienter arbeiten. Im Vertrag ist festgeschrieben, dass die Stadt Rüsselsheim jedes Jahr mindestens 270.000 Euro weniger für die Straßenbeleuchtung zahlen muss als dies noch beim alten Betreiber der Fall war. Einsparungen, die darüber hinaus gehen, werden zwischen Stadt und Stadtwerke geteilt.
Über die eingesparte Energie freut sich auch das Klima, da die Kohlendioxid-Emissionen sinken. Dank der modernisierten Rüsselsheimer Straßenbeleuchtung werden jedes Jahr 345,1 Tonnen weniger klimaschädliches CO2 verursacht, als dies mit der alten Technik der Fall gewesen wäre. Alliander ersetzt fast 3100 der insgesamt 7800 Lichtpunkte in der Stadt. Dabei werden die alten Hochdruck-Natriumdampf-Leuchtmittel nicht nur durch trendige LED-Leuchten eingesetzt: „Auch konventionelle Leuchtmittel mit neuester Technik erzielen bereits über 55 Prozent Einsparung“, betonte Schweitzer.
Hans-Jürgen Rathmann von Alliander machte deutlich, dass es bei der Modernisierung auch um den Einsatz von umweltverträglichen Materialien geht. Zumal die in vielen Kommunen nach wie vor gängige quecksilberhaltige Lampe im Jahr 2015 EU-weit verboten ist. Außerdem wird laut Rathmann versucht, das Licht möglichst zielgerichtet einzusetzen. Nicht, dass benachbarte Häuser mit ausgeleuchtet werden und die dort wohnenden Menschen deshalb keine Nachtruhe finden.
Auch gilt es, so genannte Lichtverschmutzung zu vermeiden. Das geschieht, wenn ein Teil des Lichts am Zielobjekt vorbei Richtung Nachthimmel strahlt, verdeutlichte Torsten Güths von der „Initiative Dark Sky“, einer Fachgruppe der Vereinigung der Sternenfreunde. In der urbanen Welt mit ihrer nächtlichen Lichterfülle sieht man kaum noch Sterne. Dabei könnte man, wenn es denn wirklich dunkel wäre, 6000 bis 7000 Lichtpunkte am Himmel funkeln sehen.
In seinem Vortrag kritisierte Güths auch die Energieverschwendung, die mit Lichtverschmutzung einhergeht: Eine Kugelleuchte gibt fünfzig Prozent der eingesetzten Energie an den Nachthimmel ab. Solche Lampentypen setzt Alliander nicht ein, wie Rathmann betonte. Für das Raumempfinden und aus Gründen des Sicherheitsempfindens wird allerdings ein gewisser, wenn auch reduzierter Streulichtanteil akzeptiert.
Dass das Licht von Straßenleuchten Insekten anzieht, ist problematisch für Fledermäuse. Darauf wies Cosima Lindemann vom Naturschutzbund Rheinland-Pfalz hin. Es gibt zwar schnell fliegende Arten wie die Zwergfledermaus, für die das Insektengewimmel an Straßenlaternen wie ein Fast-Food-Imbiss ist. Die Langsamen unter den nachtaktiven Fledertieren meiden diese Lichtkegel jedoch, mit der Folge, dass sie große Umwege bis zur nächsten Mahlzeit fliegen müssen. Dramatische Folgen hat es, wenn ein Fledermaus-Quartier – beispielsweise ein Dachboden oder ein Kirchenturm – nachts angestrahlt wird, berichtete Lindemann. Dann fliegen die Tiere nicht mehr zum Jagen aus, weil sie denken, dass es Tag sei. Solche Tragik ließe sich durch eine rücksichtsvolle, in Kooperation mit Fledermausexperten entwickelte Beleuchtungsplanung vermeiden.
Rathmann stimmte dem zu. Die Insektenproblematik bei Straßenbeleuchtung wird sich seiner Meinung aber nie ganz beheben, nur minimieren lassen. Überhaupt stellte Rathmann fest: „Es gibt keine gemeinsame Patentlösung für alle Projekte.“ Für jedes Beleuchtungsvorhaben muss ein individuelles Konzept maßgeschneidert werden. Dabei sieht Matthias Schweitzer die Kompromissfähigkeit gefragt - „und diese Kompromisse müssen bezahlbar bleiben.“
Susanne Schwab
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